CoCre-HIT Kompendium

Sensitizing Concept

Kooperieren

  • Tim Weiler,
  • Claudia Boscher

Kooperieren im Participatory Design meint mehr als nur Zusammenarbeit – sie steht für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Beteiligten im Gestaltungsprozess. Dabei umfasst sie sowohl die co-kreative Zusammenarbeit mit Nutzer*innen als auch die interdisziplinäre Kooperation im Projektteam. Nur durch vertrauensvolle Kommunikation, geteiltes Wissen und gegenseitiges Lernen können tragfähige, kontextsensible und sozial eingebettete Lösungen entstehen.

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Kooperation ist ein zentrales Prinzip im Participatory Design (PD) und zeigt sich auf mehreren Ebenen: Einerseits in Bezug auf die gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen Forschenden, Designer*innen und Partizipierenden, andererseits ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb von Projektteams gemeint. Kooperieren bedeutet in diesem Kontext, dass alle Beteiligten aktiv und gemeinsam an der Entwicklung von Lösungen mitwirken, wobei das Ziel ein gegenseitiger Lernprozess und eine nachhaltige Gestaltung technologischer Artefakte ist.

In der Zusammenarbeit mit Partizipierenden bildet Kooperation als Prinzip die Grundlage für das sogenannte mutual learning – ein wechselseitiger Lernprozess, der darauf abzielt, technologische Lösungen aus der Logik und Praxis der Nutzer*innen heraus zu gestalten (Bjerknes & Bratteteig, 1988). Dabei geht PD davon aus, dass Wissen nicht abstrakt, sondern durch gemeinsame Praxis aller Projektbeteiligten erzeugt wird – eine soziale Tätigkeit, die durch bestehende Strukturen geprägt ist und neue soziale Prozesse hervorbringt (Ehn, 1993).

Kooperieren im Kontext des partizipativen Designs ist eng mit dem Verständnis von Praxis verknüpft – also dem, was Menschen tatsächlich tun und wie sie es tun (Simonsen & Robertson, 2013). PD strebt nicht nur danach, Technologien zur Unterstützung bestehender Kooperationsformen zu entwickeln und in bestehende Kooperationsformen einzupassen, sondern auch dazu beizutragen, dass Menschen neue Technologien aneignen, rekonfigurieren und in ihre Praxis integrieren können.

Interdisziplinäres Kooperieren beschreibt den Einbezug unterschiedlicher wissenschaftlicher Fachrichtungen und deren Zusammenarbeit, um komplexe Fragestellungen umfassend zu bearbeiten. Durch den Austausch unterschiedlicher Perspektiven, Denk- und Arbeitsweisen entstehen innovative, kontextsensible und praxisnahe Lösungen – insbesondere in sozio-technischen Forschungsfeldern wie der Technikentwicklung im Gesundheitswesen und der langfristigen Aneignung dieser Technologien (Stevens & Pipek, 2018). Hier arbeiten Forschende aus Technik, Medizin, Sozialwissenschaften und anderen Bereichen mit Betroffenen zusammen, um Technologien zu gestalten, die wirklich in den Alltag integriert werden können.

Eine solche interdisziplinäre Kooperation ist durchaus herausfordernd. Unterschiedliche Begrifflichkeiten, Denkstile und implizite Wissensformen führen leicht zu Missverständnissen (Liu et al., 2024; Wannemacher, 2020). Auch konkurrierende Ziele – etwa wissenschaftliche, wirtschaftliche oder praktische Interessen – erzeugen Spannungen (Saxenian, 1996). Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es sicherer Räume für offene, transparente und gleichberechtigte Diskussionen, einer klaren Kommunikation von Zielen und Rollen sowie eines Bewusstseins für Machtverhältnisse (Arnold et al., 2022). Der erfolgreiche Wissenstransfer innerhalb interdisziplinärer Teams erfordert dabei nicht nur den Austausch expliziten Fachwissens, sondern auch das Sichtbarmachen und Teilen impliziter Alltagspraktiken und Erfahrungswissen (Ackerman et al., 2013; Fitzpatrick, 2002; Kuutti & Bannon, 2014).

Literatur

Verwandte Konzepte

Praxisbeispiele zu "Kooperieren"

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