Sensitizing Concept
Nachhaltigkeit
- Prof. Dr. Claudia Müller
Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist entscheidend, was mit den Ergebnissen nach Projektende geschieht und wie positive Effekte fortbestehen, wenn das Konsortium sich auflöst. Auch die langfristige Wirkung auf Zielgruppen und Co-Forschende muss gesichert werden. Die nachhaltige Etablierung IT-basierter Lösungen im Forschungsrahmen ist komplex. Sie erfordert Bedingungen innerhalb und außerhalb des Projekts, um Ergebnisse zu übernehmen, fortzuführen und weiterzuentwickeln.
Geförderte IT-Gestaltungsprojekte arbeiten unter teilweise konfligierenden Bedingungen – es gilt, ein Förderziel zu erreichen mit unterschiedlichen Bezügen der Forschenden, der Praktiker, Unternehmen und Zielgruppenvertretenden. Konstringierende Bedingungen folgen aus dem Förderschema und den strukturellen Aspekten des Projekts, den zeitlichen Rahmenbedingungen, die es ermöglichen oder auch verhindern, Raum zu schaffen für die Gestaltung eines robusten IT-Produkts und dessen Validierung in den Anwendungsbereichen.
Unter dem Nachhaltigkeitsaspekt stellt sich die wichtige Frage danach, was mit den Forschungsergebnissen passiert, wenn das Projekt zum Ende kommt und wie seine positiven Outcomes weitergeführt und erhalten werden können, wenn das Forschungskonsortium sich auflöst. Weiterhin stellen sich Fragen danach wie positive Auswirkungen auf die Zielgruppenvertretenden/Co-Forschenden erhalten bleiben können.
Es gibt bisher nur wenige Forschungsarbeiten, die aufzeigen, wie die Zusammenarbeit mehrerer Akteure bei der Entwicklung einer IT-basierten Lösung zu einem nachhaltigen Ergebnis führen kann. Dazu bedarf es vor allem der Reflektion der Ausgangsziele und der im Projekt auftretenden hinderlichen und förderlichen Kräfte. Eine grundsätzliche Fragestellung richtet sich auf die Explikation und Reflektion der Frage, wie in einem IT-Forschungsprojekt ein dauerhafter positiver Einfluss im Zielumfeld erzielt werden kann, die Menschen/Gemeinschaften/Organisationen zur Selbstentwicklung befähigt. Aus Projektsicht muss dazu die Frage adressiert werden, wie als Forschungsgruppe die Voraussetzungen/das Umfeld für nachhaltige Forschung geschaffen werden können. Neben projektimmanenten Aspekten müssen auch die politischen und ethischen Dimensionen der Gestaltung nachhaltiger IT thematisiert werden.
Für den Bereich der IT-Interventionen im Gesundheitsbereich formuliert Altmann (1995) Nachhaltigkeit als „the infrastructure that remains after a research project ends“. Diese Infrastruktur umfasst: „consideration of interventions that are maintained, organizations that modify their actions as a result of participating in research, and individuals who, through the research process, gain knowledge and skills that are used in other life domains’ (p. 527).“
Unter Aspekten der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit sowie auch vor dem Hintergrund der Arten der angestrebten sozio-technischen Innovation und sowohl kollektiven als auch Einzelinteressen der Projektbeteiligten können diese Interventionen sich als ganz unterschiedlich darstellen. Aus einer praxisbasierten IT-Gestaltungsperspektive formulieren Simone et al. (2022) folgende förderliche und hinderliche für die nachhaltige Umsetzung von Projektergebnissen:
Schritte zur Projektnachhaltigkeit:
1: Lösungen in der Lebenswelt der Nutzenden verankern
2: Capacity building/Kompetenzaufbau für die langfristige Nutzung der gestalteten Lösungen
3: Transfer von Designlösungen ermöglichen
4: Infrastrukturen aufbauen
5: Networking für Folgeprojekte
6: „Projektmemories“ erschaffen und erhalten
Hinderliche Kräfte gegen nachhaltige Projektarbeit:
1: Heterogene Akteursgruppen und konfligierende Interessen
2: Zeitliche Probleme
3: Die Rolle der antizipierten Innovation
4: Post-Projekt-Aspekte