CoCre-HIT Kompendium

Sensitizing Concept

Befähigung

  • Florian Fischer,
  • Prof. Dr. Claudia Müller

Um eine Integration diverser Perspektiven innerhalb eines partizipativen oder co-kreativen Entwicklungsprozess zu erreichen, ist das Konzept der Befähigung zentral. Dieses umfasst sowohl methodische („Enabling for Co-Design“) als auch emanzipatorische (Empowerment) Dimensionen.

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Das Konzept „Befähigung“ ist insbesondere für das Gelingen eines partizipativen Designprozesses zentral, um die diversen Perspektiven innerhalb eines partizipativen oder co-kreativen Entwicklungsprozess zu integrieren. Befähigung in diesem Sinne umfasst sowohl methodische („Enabling for Co-Design“) als auch emanzipatorische (Empowerment) Dimensionen.

„Enabling for Co-Design“ spricht die methodische Dimension der Befähigung an, die es verschiedenen Akteuren ermöglicht, aktiv an einem Gestaltungsprozess mitzuwirken. Dabei geht es primär um die Schaffung von Rahmenbedingungen und Werkzeugen, die eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Vertreter*innen aus Forschung und/oder Technikentwicklung untereinander sowie zwischen ihnen und den potenziellen zukünftigen Nutzer*innen, Repräsentant*innen informeller oder professioneller Akteure sowie weiterer (z.B. politischer) Stakeholder ermöglichen.

Durch geeignete Enabling-Strategien werden Teilnahmebarrieren reduziert und die Voraussetzungen für eine tatsächliche Ko-Kreation geschaffen. Elemente der Wissensvermittlung bilden die Voraussetzung für informierte Entscheidungen. Die Etablierung einer gemeinsamen Sprache bildet den Ausgangspunkt einer gelingenden Kommunikation. Der Einsatz geeigneter Methoden und Werkzeuge aus dem Design-Bereich ermöglichen eine niedrigschwellige Zugänglichkeit der partizipativen Prozesse.

Weiterhin will „Enabling for Co-Design“ verständlich und begreifbar machen, was mit IT möglich ist und wie es im Lebensalltag konkret genutzt werden kann. Insofern zielt es zunächst auf die Nutzenden, die im Regelfall von diesen Prozessen wenig Kenntnis und Erfahrung haben, aber ebenfalls auf die Forschenden selbst, die zum Teil Disziplinen stammen, die wenig Bezug zu dem eigentlichen Design-Prozess haben (Sozialwissenschaften, Ethik, Wirtschaftswissenschaften etc.). Insgesamt geht es darum, alle beteiligten Akteure zu befähigen und zu motivieren, die Rolle als kompetente Akteure im Projektverlauf einzunehmen (Müller et al. 2015).

Während „Enabling for Co-Design“ primär auf die Befähigung für und innerhalb des Projekts abzielt, adressiert „Empowerments“ die politische und emanzipatorische Dimension der Projektarbeit. Hier geht es um die kritische Reflexion von Machtstrukturen in der Technikentwicklung und die Stärkung marginalisierter Perspektiven. Den Prinzipien partizipativer (Gesundheits-)Forschung folgend, stehen Aspekte der Demokratisierung von Technologien im Vordergrund, um die Entscheidungsbasis für Veränderungen zu verbreitern. Somit geht es um Maßnahmen, die Handlungsspielräume aufzeigen oder zu schaffen bzw. Selbsthilfe, Selbstorganisation und Selbstermächtigung zu fördern. Dies erweitert die Möglichkeit sozialpolitischer Einflussnahme. Empowerment richtet sich auf die Befähigung einzelner Personen und geht aber über die temporäre Befähigung innerhalb eines Projektes hinaus und zielt auf eine nachhaltige Veränderung ab.

Die beiden Dimensionen der Befähigung stehen in einem komplementären, aber auch spannungsreichen Verhältnis zueinander. Während "Enabling for Co-Design" insbesondere auf die Umsetzbarkeit von Partizipation abzielt, hinterfragt „Empowerment“ grundlegendere Strukturen der Technikentwicklung. Im Rahmen von geförderten Forschungs- bzw. Technikentwicklungsprojekten ergibt sich daraus ein mögliches Konfliktfeld: Wenn das explizite Förderziel die Entwicklung eines Prototypen ist, ist eine langfristige Veränderung bestehender Strukturen und Prozesse vielfach nicht explizit vorgesehen. So ist die in der partizipativen Forschung geforderte Veränderung sozialer Wirklichkeit vielfach aufgrund der Rahmenbedingungen gar nicht erreichbar.

Enabling for Co-Design: Reduzierung von Teilnahmebarrieren und Schaffung von Rahmenbedingungen und Werkzeugen für eine konstruktive Zusammenarbeit.

Empowerment: Kritische Reflexion von Machtstrukturen und Förderung der Selbstermächtigung, um eine langfristige Veränderung sozialer Strukturen zu erreichen.

Literatur

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Praxisbeispiele zu "Befähigung"

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