CoCre-HIT Kompendium

Sensitizing Concept

Verstehen

  • Prof. Dr. Cordula Entdter

Partizipatives Design erfordert Kommunikation und Austausch mit sehr unterschiedlichen Akteur*innen und Disziplinen. Das Verstehen des Gesagten (mitgeteilte Information) und das Verständnis für die Person (Motive und Hintergründe des Gesagten) sind sowohl Voraussetzung als auch Ziel der für das partizipative Design spezifischen Kommunikation.

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Partizipative Technikentwicklung ist eng verbunden mit Kommunikation und erfordert viel Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Akteur*innen und Disziplinen. Das Verstehen des Gesagten (mitgeteilte Information) und das Verständnis für die Person (Motive und Hintergründe des Gesagten) sind sowohl Voraussetzung als auch Ziel der für das partizipative Design spezifischen Kommunikation.

Wir wollen verstehen, was eine andere Person sagt und die Hintergründe für das Mitgeteilte erkennen, wir wollen aber auch von den anderen beteiligten Personen im Forschungsprozess verstanden werden. Dies geht über die Mitteilung einer Information (Verstehen) hinaus und umfasst emotionale und soziale Bereiche (Verständnis). So verstanden ist Kommunikation zwischen Sender*in und Empfänger*in nicht nur eine Informationsvermittlung auf einer Sachebene ist, sondern immer auch eine Selbstkundgabe beinhaltet (Was teile ich mit dieser Sachaussage über mich mit?), eine Beziehungsebene anspricht (Wie stehen wir zueinander in der Kommunikation?) und eine Appellebene hat (Welche Absicht verfolge ich mit dem, was ich sage?). Dabei kann die sendende Person beispielsweise eine Information auf einer Sachebene mitteilen, die empfangende Person hört diese aber auf der Beziehungsebene. (z.B. Schulz von Thun, 1981). Dies gilt für jede menschliche Kommunikation, also auch für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Stakeholder im partizipativen Designprozess und überlagert bzw. bildet die Basis für die Gestaltung und/oder Erprobung von technischen Prototypen.

Die Notwendigkeit eines solch umfassenden Verstehens betrifft vorwiegend 3 Kontexte:

1. Kommunikation zwischen Forschungsteams und Co-Forschenden: Hier geht es vor allem um das Verstehen der unterschiedlichen Lebenswelten der Co-Forschenden und das Verständnis für deren Bedürfnisse und Wünsche. Genaues Zuhören und Entschlüsseln des Gesagten und des Nicht-Gesagten, des Gesehenen

2. Die Kommunikation zwischen den Mitgliedern der interdisziplinären Teams: Im Kontext von PD spielt aber auch der interdisziplinäre Kontext eine große Rolle. Die Forschenden kommen aus unterschiedlichen Disziplinen, finden sich im Rahmen des Projekts zusammen und müssen lernen eine gemeinsame Sprache zu sprechen, damit sie sich, in dem was sie kommunizieren, auch verstehen. Auch hier sind nicht allein die Sachinformationen gemeint, sondern gerade auch die disziplinären Wissenskulturen angesprochen, der kulturelle Habitus, der sich durch bestimmte Disziplinen prägt und auch in der Kommunikation eine Rolle spielt. Nicht zuletzt sind auch hier die unterschiedlichen Lebenswelten der Beteiligten zu berücksichtigen, die die Kommunikation selbst und die Hintergründe des Mitgeteilten prägen.

3. Eine dritte Perspektive betrifft die Ebene der Machtverhältnisse: Machtverhältnisse in einem Projekt können vertikal, aber auch horizontal verlaufen, geschlechtlich codiert sein oder auch altersbezogen. Sprache ist machtvoll und Sprechen kann Machtverhältnisse verstärken oder auch abschwächen. In diesem Sinne ist es für einen partizipativen Prozess zentral ein Sprechen zu entwickeln, dass ermöglichend ist und einladend, auch wenn es um schwierige Themen geht. Auch das fördert das gegenseitige Verstehen.

Literatur

Verwandte Konzepte

Praxisbeispiele zu "Verstehen"

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