Sensitizing Concept
Community-Building
- Prof. Dr. Claudia Müller,
- Prof. Dr. Alina Huldtgren,
- Tim Weiler
Innerhalb von partizipativen Designprozessen von Gesundheits-IT treffen diverse Stakeholder aufeinander. Um positive Kollaboration zu ermöglichen, zielt das Community-building darauf ab, durch geeignete Maßnahmen, bewusst ein Gemeinschaftsgefühl zu fördern sowie explizit durch regelmäßige Interaktionen, Beziehungsbildung und gegenseitigem Lernen auf eine gemeinsame Zielsetzung hinzuarbeiten.
Eine Community ist eine Gruppe von Menschen, die durch gemeinsame Interessen oder Ziele miteinander verbunden sind. Diese Verbindung kann durch geografische Nähe, geteilte Anliegen oder auch durch eine geteilte Vision entstehen.
Im partizipativen Design (PD) bezeichnet Community-Building die bewusste Schaffung und Stärkung einer Gemeinschaft diverser Interessensgruppen, die im Rahmen eines oder mehrerer Projekte kollaborieren, ähnliche Themen bearbeiten oder gemeinsame Interessen haben.
Als Communities of Practice (CoP) werden in der HCI und der Sozio-Informatik Literatur Menschengruppen definiert, die sich für eine gemeinsame Angelegenheit einsetzen oder eine Leidenschaft teilen, etwas zu tun, sowie durch regelmäßige Interaktion lernen, es besser zu tun (aus dem Engl. Original: „groups of people who share a concern or a passion for something they do and learn how to do it better as they interact regularly“ (Wenger, 2009)). Anders als bei Communities of Interest, sind zentrale Aspekte der CoP insbesondere eine kollektive Kompetenz, die durch regelmäßige Interaktionen und gemeinsames Lernen entwickelt und ausgebaut wird. Durch den regelmäßigen Austausch entsteht ein Repertoire an Ressourcen, z.B. Erfahrungen, Stories, Tools (Wenger, 2009).
Je nach Projektkontext ist es unterschiedlich, in welchem Grad eine Community ausgeprägt ist: ob am Ende z.B. eine nachhaltige Community entsteht, die durch gemeinsam erarbeitete Praktiken weiterhin auf ein Ziel hinarbeitet, oder ob ein Gemeinschaftsgefühl und eine Kollboration punktuell für ein Projekt entsteht. Wie bei den CoP ist die Interaktion und das gemeinsame Lernen im Projektkontext bei partizipativer IT-Entwicklung entscheidend
Es ist dafür zu Beginn des Projektes essenziell, ein Zugehörigkeitsgefühl zu etablieren, das es allen Teilnehmenden ermöglicht, sich gehört und wertgeschätzt zu fühlen und aktiv mitzuwirken. Zugehörigkeit entsteht durch gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und Unterstützung und wird durch kontinuierliche, positive Interaktionen gestärkt. Dies fördert nicht nur die Bereitschaft zur Kooperation, sondern stärkt Motivation, gemeinsame Interessen und Projektziele zu verfolgen und langfristig erfolgreich zu gestalten (Huldtgren, 2013).
Förderung von Offenheit und Diversität: Das Erkennen und wertschätzende Einbeziehen unterschiedlicher Perspektiven und Hintergründe stärkt den gegenseitigen Respekt und die Empathie innerhalb der Gemeinschaft.
Unterstützung und Zusammenarbeit: Die Bereitschaft, einander zu unterstützen und Verantwortung zu teilen, schafft eine solidarische Atmosphäre und erleichtert den Wissenstransfer und die Problemlösung innerhalb der Community.
Regelmäßige, informelle Interaktion: Austausch in einem weniger formellen Rahmen – wie gemeinsame Freizeitaktivitäten – trägt zu einer authentischen Bindung und einem tiefen Gemeinschaftsgefühl bei.
Gegenseitiges (informelles) Lernen: Innerhalb der Gemeinschaft lernen Mitglieder durch regelmäßigen informellen sowie formellen Austausch auf Augenhöhe. Dies kann sowohl bei Freizeitaktivitäten als auch in Co-Design-Workshops passieren. Jede/r am Projekt Beteiligte hat Wissen, welches für die Entwicklung unabdingbar ist. Durch das gleichberechtigte Einbringen von Wissen kann eine innovative Problemlösung hervorgehen.