CoCre-HIT Kompendium

Sensitizing Concept

Gemeinsamkeiten

  • Mareike Focken,
  • Prof. Dr. Claudia Müller

Das Finden und Nutzen von Gemeinsamkeiten stärkt die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Projektbeteiligten und erleichtert das Erreichen gemeinsamer Ziele. Gemeinsamkeiten können z.B. in Anker-/ Bezugspunkten, Interessen, Gedankenräumen, Sprache oder auch ein gemeinsames Verantwortungsgefühl (Ownership) umfassen.

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Im partizipativen Design ist das Erkennen und Nutzen von Gemeinsamkeiten zwischen den Projektbeteiligten essenziell, um das Engagement und die Mitwirkung aller Beteiligten zu fördern. Die Gemeinsamkeiten, die Menschen miteinander teilen, stärken das gegenseitige Verständnis und die Verbindung untereinander. Dies stärkt Identifikationsmöglichkeiten mit dem Projekt und unterstützt die Kommunikation, besonders dann, wenn verschiedene Hintergründe und Expertisen aufeinandertreffen. Hier hilft eine gemeinsame Sprache, die als Verständigungsbasis dient.

Gemeinsamkeiten unter Projektpartnern finden: Das „Soziale“ in der gemeinsamen Arbeit kann einen wichtigen Stellenwert einnehmen in einer mehrjährigen interdisziplinären und intersektoralen Zusammenarbeit, besonders dann, wenn Projektmitarbeitende räumlich voneinander entfernt arbeiten, und sich nur zu bestimmten Projektterminen persönlich treffen. Das gemeinsame Abendessen nach einem Arbeitstag ermöglicht ein Kennenlernen der Person hinter dem wissenschaftlichen Bio bzw. ein besseres Verständnis der jeweiligen Interessen und Sichtweisen, ebenso soziale Events wie bspw. bei übergreifenden Konferenzen oder Veranstaltungen. Eine persönliche Nähe kann dabei hilfreich sein, sich disziplinübergreifend zu Konzepten und Begriffen besser zu verständigen und die jeweiligen Nuancierungen von wissenschaftlichen Positionierungen des Gegenübers zu erkennen und zu verstehen (Hamidi et al. 2016)

Gemeinsamkeiten zu externen Zielgruppenvertretenden finden und aufbauen: In IT-Projekten besteht häufig eine „symmetry of ignorance“ (Fischer 1990) zwischen dem wissenschaftlichen Team und den Personen aus dem Anwendungsfeld, die zu einer Mitarbeit eingeladen werden. Das wissenschaftliche Team verfügt über technisches und methodisches Fachwissen, die Anwendungspersonen sind Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt. Das Projektteam strebt mit partizipativen Verfahren die Erhebung von lebensweltlichem Wissen/ Domänenwissen an und muss gleichzeitig Strategien einsetzen, die den Anwendungspersonen ermöglichen, mögliche digitale Anwendungen antizipieren zu können. Übergreifend geht es darum, einen gemeinsamen gedanklichen Möglichkeitsraum zu entwerfen, zu dem alle Projektteilnehmenden aus ihrer Perspektive beitragen und innerhalb dessen sie sich verständigen können (Müller et al. 2015, Hornung et al. 2017; Paluch et al. 2024).

Folgende Aspekte können inspirieren, den Aufbau eines gemeinsamen gedanklichen Möglichkeitsraums zu verfolgen:

Ankerpunkte: In der partizipativen Forschung mit Anwendungspartnern, die wenig IT-affin sind und die zu Projektbeginn kaum zukünftige IT-Anwendungen antizipieren können, gilt es, zunächst die Lebenswelt der Personen gut zu verstehen und mit ihnen gemeinsam vor dem Hintergrund der jeweiligen Alltagswelt mögliche Verknüpfungen zu IT-Nutzungsoptionen zu entwickeln. Mit dem Konzept der Ankerpunkte geht es darum, mit den Personen Aspekte in der Lebenswelt zu finden, die für sie sinnstiftend sind und als mögliche für sie relevante Ausgangspunkte für mögliche IT-Nutzung darstellen können. Methodisch werden dazu ethnographische Ansätze empfohlen (Müller et al. 2015, 2017)

Werte: Gemeinsamkeiten wie geteilte Interessen oder Werte bieten einen Bezugspunkt und erleichtern die Verständigung im Projektteam.

Interesse: Durch das Herausarbeiten gemeinsamer Interessen wie Hobbys, Aktivitäten oder Themen kann das Engagement und die Motivation zur Beteiligung fördern.

Sprache als gemeinsame Basis: Eine klare, gemeinschaftlich genutzte Sprache erleichtert den Austausch und verringert Missverständnisse, was besonders wichtig ist bei interdisziplinärer oder interkultureller Zusammenarbeit.

Ownership: Ein gemeinsames Gefühl der Verantwortung im Projekt oder für eine Aufgabe motiviert zur effektiven Zusammenarbeit.

Literatur

Verwandte Konzepte

Praxisbeispiele zu "Gemeinsamkeiten"

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