Praxisbeispiel
Vertrauensaufbau durch gemeinsame Aktivitäten auf Augenhöhe
- Tim Weiler
11.6.2025
Um das Vertrauen zwischen Forschenden und den Co-Forschenden zu stärken wurde in einem Forschungsprojekt neben regelmäßigen Arbeitstreffen ein gemeinsamer Besuch auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt organisiert. Das Beispiel zeigt, dass inoffizielle Aktivitäten helfen können, das Vertrauen zwischen den Co-Forschenden und Forschenden zu stärken. Gemeinsame Zeit außerhalb des formalen Rahmens stärkt das Gemeinschaftsgefühl und fördert die Kommunikation innerhalb des Teams.
unbekannt
Laufzeit unbekannt
Räumliches Setting Technologieentwicklung in einem partizipativen Forschungsprojekt mit Senior*innen aus einer ländlichen Gemeinde.
Zielgruppe Senior*innen aus einer ländlichen Gemeinde
Herausforderung
In partizipativen Forschungsprojekten mit heterogenen Interessensgruppen ist Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für das Teilen persönlicher Erfahrungen, Einschätzungen und für eine gelingende Zusammenarbeit. Besonders in sensiblen Kontexten ist es nicht selbstverständlich, dass Co-Forschende sich öffnen – weder gegenüber dem Forschungsteam noch untereinander. In unserem Projekt zur partizipativen Technologieentwicklung mit älteren Erwachsenen war es daher ein zentrales Anliegen, Methoden zu entwickeln, die eine vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit fördern. Uns war bewusst, dass ein Gemeinschaftsgefühl nicht allein durch gemeinsame Arbeit an einem Thema entsteht. Daher suchten wir nach niedrigschwelligen, informellen Formaten, die Begegnungen jenseits der formalen Settings ermöglichen.
Vorgehensweise
Obwohl die Diskussionen in den Workshops im Laufe des Projekts lebendiger wurden, blieb spürbar, dass zwischen den verschiedenen beteiligten Gruppen gewisse Distanzen bestehen blieben. Um das soziale Miteinander gezielt zu stärken, entwickelten wir gemeinsam mit den Co-Forschenden die Idee, einen nahegelegenen Weihnachtsmarkt zu besuchen.
Der Weihnachtsmarkt bot einen informellen Rahmen für persönliche Gespräche und Begegnungen abseits des Projektkontexts. Gemeinsam schlenderten wir durch die Stände, probierten regionale Spezialitäten und tauschten uns nicht nur über das Projekt, sondern auch über persönliche Interessen und Erfahrungen aus. Die entspannte Atmosphäre erleichterte es, sich jenseits der Rollen als „Forschende“ oder „Co-Forschende“ kennenzulernen.
Ergebnisse und Reflexion
Der gemeinsame Besuch führte in den nächsten Arbeitstreffen zu einer graduell positiveren empfundenen Dynamik zwischen den Beteiligten. Die Gespräche wurden persönlicher, die Bereitschaft zuzuhören wuchs, der Umgang wurde entspannter, und in der Gruppe zeigte sich mehr Offenheit für unterschiedliche Perspektiven.
Informelle Begegnungen wie diese bieten Ankerpunkte für einen solchen Vertrauensaufbau. Durch das niedrigschwellige, gemeinschaftliche Erleben entstand ein Gefühl von Zugehörigkeit zu dem Projekt, das wiederum die Motivation zur weiteren Zusammenarbeit stärkte. Gleichzeitig konnten auch wir als Forschungsteam ein besseres Gespür für Stimmungen, Bedürfnisse und Spannungen innerhalb der Gruppe entwickeln.
Learnings:
- Vertrauensaufbau: Informelle Aktivitäten können Distanz abbauen und die Grundlage für vertrauensvolle Beziehungen schaffen.
- Verständnis: Persönliche Begegnungen außerhalb formeller Settings fördern ein besseres gegenseitiges Verständnis.
- Gemeinsame Erfahrungen: Vertrauen entsteht nicht automatisch, aber gemeinsame Erfahrungen können die Voraussetzungen dafür verbessern.
- Partizipationsverständnis: Die Pflege sozialer Beziehungen ist kein „Add-on“, sondern integraler Bestandteil partizipativer Zusammenarbeit.
Schlussfolgerung
Der gemeinsame Weihnachtsmarktbesuch war für unser Projekt ein sinnvoller Schritt, um das Gemeinschaftsgefühl im Projekt zu unterstützen und die Bereitschaft zu fördern, sich persönlich und inhaltlich stärker zu öffnen. Die Wahl des Formats war durch Jahreszeit und räumliche Nähe begründet – vergleichbare Aktivitäten lassen sich leicht auf andere Kontexte übertragen: etwa ein Sommerfest, ein Stadtteilspaziergang oder thematisch passende Aktivitäten wie eine gemeinsame Wanderung bei Mobilitätsprojekten. Entscheidend ist, Raum für persönliche Begegnung auf Augenhöhe zu schaffen, ohne sie zu instrumentalisieren.
Vertrauen lässt sich nicht erzwingen – aber Begegnung kann ihm den Weg bereiten.
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