CoCre-HIT Kompendium

Praxisbeispiel

Interdisziplinarität braucht kommunikative Räume des Austauschs

  • Cordula Endter,
  • Angela Osterheider

31.5.2025
Praxisbeispiel-Grafik

Herausforderung

Auch wenn die Projektpartner bereits mehrere Monate zusammengearbeitet haben und verschiedene Entwicklungsphasen im Projekt bereits durchschritten sind, wie zum Beispiel die Anforderungsanalyse, bestehen häufig immer noch sehr spezifische, zum Teil disziplinär verankerte Vorstellungen hinsichtlich des Projektziels, die die Zusammenarbeit erschweren.

Vorgehensweise

Im Rahmen eines Konsortialtreffens des Verbundprojekts HiSSS konnten wir, die Autorinnen und Mitglieder des Begleitforschungsprojekts CoCre-HIT, dem Treffen beiwohnen. Als unseren Beitrag zu dem Treffen organisierten wir ein World-Café mit dem Thema „Gegenseitige Erwartungen an die geplante technische Entwicklung“. Die Tische waren jeweils mit eine*r Vertreter*in des jeweiligen Projektpartners besetzt. Ziel war es, dass sich nicht nur die unterschiedlichen Vertretenden kennenlernen und austauschen, sondern dass sie ihre Erwartungen, Bedarfe und Anforderungen aus ihrer jeweiligen fachlichen bzw. disziplinären Perspektive miteinander diskutieren konnten.

Ergebnisse und Reflexion

Die eingeplante Zeit von 1,5 Stunden reichte nicht aus für die intensiven Gespräche. Dennoch waren die Teilnehmenden sehr zufrieden über diese Austauschmöglichkeit vor Ort und in Präsenz. Die Möglichkeit, sich einmal so intensiv und konzentriert aus ihren verschiedenen disziplinären und partnerspezifischen Perspektiven auszutauschen, führte nicht nur zu mehr Verständnis hinsichtlich der jeweiligen Ziele, Interessen und damit verbundenen Arbeitsschritten und Vorgehensweisen, sondern hatte auch eine emotionale Komponente. Das methodisch bedingte Zuhören-„Müssen“ führte zu einer besseren Qualität des Zuhörens und Verstehens, als es in den gewohnten Projektmeetings der Fall war. Der Austausch wurde als ein tatsächliches Miteinander-im-Gespräch-Sein erlebt.

Als Ergebnis dieser Erfahrung wurde von dem Konsortialprojekt ein regelmäßiger Jour Fixe Termin vereinbart, um diesen Austausch fortzuführen und zu verstetigen.

Das ursprüngliche Ziel des Angebots „World Café während eines Konsortialtreffens“ als Dialog-Format des Konsortialprojekts mit der Begleitforschung zeigte – als nicht intendiertes, aber wichtiges Ergebnis –, welcher Bedarf an gegenseitigem Austausch und Verständigung im Projekt selbst bestand. Offensichtlich war hierfür im Projektplan (zu) wenig Raum und Zeit vorgesehen. Durch das durchgeführte World-Café wurde deutlich, wie notwendig kommunikative Räume für ein gegenseitiges Verstehen sind. Das Gespräch in Präsenz ermöglichte ein gegenseitiges Verstehen, das über die reine Mitteilung von Informationen hinausging und ein Gefühl des Verstandenwerdens hervorrief. Ein solches „Verstehen“ ist eine wichtige Ressource, um sich über unterschiedliche Position zu verständigen und einen tragfähigen Kompromiss zu finden. Auf diese Weise können Interessenkonflikte begleitet, gesteuert und möglicherweise auch vermieden werden.

Schlussfolgerung

Interdisziplinarität benötigt Zeit und Räume, um zu entstehen, sich zu entfalten und zu wirken. Diese Räume und Zeiten müssen entweder durch das Projekt oder aber auch durch das Begleitforschungsprojekt initiiert und geschaffen werden – und im besten Fall bei der Konzeption schon Eingang in den Arbeitsplan finden.

Weitere Praxisbeispiele

Diese Praxisbeispiele könnten dich ebenfalls interessieren:

Nach Datum sortiert anzeigen: