Praxisbeispiel
Cultural Probes als Mittel des Verständnisses und der Reflexion
- Alina Huldtgren
2.6.2025
Im Rahmen eines intergenerationalen Co-Design-Projekts mit Studierenden und Senior*innen wurde die Methode der Cultural Probes eingesetzt. Diese ermöglichte es den Senior*innen, ihre Erlebnisse mit und ohne digitale Medien zu reflektieren und bot den Studierenden Einblicke in den Alltag der älteren Generation. Die Cultural Probes halfen, eine offene Atmosphäre für den Dialog und die weitere Zusammenarbeit zu schaffen.
• Einsatz von Cultural Probes zur Reflexion • Förderung des Verständnisses zwischen Generationen • Grundlage für den weiteren intergenerationalen Austausch
Digitalkompetenz von Senior*innen steigern
Laufzeit 02/2022 bis 12/2022
Räumliches Setting Partizipatives Forschungsprojekt mit Senior*innen in Quartierszentren in Großstadt
Zielgruppe Senior\*innen
Herausforderung
Der explizite Austausch zwischen der Generation Z mit den Babyboomern erforderte zunächst ein grundlegendes Verständnis und eine Sensibilisierung der Forschenden für die Lebenswelt der Senior*innen. Da sich die Forschenden und Co-Forschenden zu Beginn nicht kannten, wäre ein direkter Austausch u. U. schwierig gewesen. Es wurde ein Format benötigt, was es den Studierenden erlaubte, zunächst Einblicke in die Lebenswelt der Senior*innen zu bekommen, um den weiteren Austausch vorzubereiten.
Vorgehensweise
Im Rahmen des Projektes wurden jeweils zwei Studierende mit ein bis zwei älteren Personen zusammengeführt. Diese Teilnehmenden kannten sich zu Beginn des Projektes nicht. Da aber ein offener Dialog über das Thema "wie erlebe ich Digitalisierung im Alltag" voraussetzt, dass man sich öffnen kann und auch über mögliche Probleme und Ängste spricht, war es wichtig mit einer Methode zu starten, die den teilnehmenden Senior*innen half, ihre Erfahrungen zu reflektieren und darzustellen. Die Methode sollte aber auch Freude bringen, um auf das gemeinsame Projekt einzustimmen. Außerdem sollten die Studierenden sowohl einen Einblick in den Alltag der Senior*innen enthalten als auch ein Verständnis für die Gedanken und Lebenswelt der älteren Teilnehmenden entwickeln. Um dies zu erreichen, nutzten wir die Methode "Cultural Probes".
Die von Gaver und Kollegen entwickelte Methode sollte ursprünglich eher der Inspiration und Einblicke in die Lebenswelt dienen als empirische Felddaten zu erheben, wurde aber im Laufe der Zeit von Forscher*innen in verschiedenen Disziplinen auch zur Datensammlung eingesetzt. In unserem Fall bewegten wir uns näher an der originalen Motivation der Methode. Die Studierenden entwickelten auf Basis ihrer Überlegungen darüber, was sie eigentlich von den Senior*innen erfahren möchten, ein Cultural Probes Paket. Das Paket enthielt unterschiedliche Dinge, u. A. Briefumschläge mit Aufgaben wie z. B. „Schreibe einen Brief an dein vergangenes Ich und erkläre ihm wie die Digitalisierung das Leben verändert hat“, ein gestaltetes Tagebuch, u. A. mit Aufgaben zur Nutzung technischer Geräte und der Dokumentation von Erfahrungen, sowie Kameras oder Audioaufnahmegeräte mit Aufgaben, sowie Tee und Schokolade, um sich in entspannter Atmosphäre ein Zukunftsszenario auszudenken.
Die Pakete wurden den Senior*innen persönlich übergeben und erläutert und verblieben zwei Wochen bei den Teilnehmenden. Danach wurden sie wieder persönlich zurückgegeben und von Studierenden als Einblick und Ansatzpunkt für das weitere Projekt genutzt.
Ergebnisse und Reflexion
Die Cultural Probes Pakete boten den Studierenden viele Einblicke und Ansatzpunkte zum Dialog im weiteren Projektverlauf. Die Daten wurden nicht wissenschaftlich ausgewertet, sondern dienten vor allem im weiteren Projektverlauf als Anhaltspunkte, u. A. um Themen zu erörtern und Szenarien für den gemeinsamen Film zu entwickeln. Die Pakete wurden von beiden Seiten positiv beurteilt und als Hilfsmittel gesehen, um schnell eine Atmosphäre des Kennens und Verstehens zu erschaffen, in der man co-kreativ wirken konnte.
Schlussfolgerung
Die Cultural Probes waren ein effektives Mittel, um die Forschenden, in diesem Fall junge Menschen, die mit Technik aufgewachsen sind, für die Perspektiven der Älteren zu sensibilisieren, um die Erfahrungen der Senior*innen mit und ohne Digitalisierung zu reflektieren. Sie trugen dazu bei, ein tieferes Verständnis und Vertrauen zwischen den Studierenden und den Senior*innen aufzubauen und legten die Grundlage für den weiteren intergenerationalen Austausch und die Zusammenarbeit im Projekt.
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