Sensitizing Concept
Interessensoffenlegung
- Prof. Dr. Claudia Müller,
- Prof. Dr. Sibylle Meyer
Im Partizipativen Design ist die Offenlegung von Interessen hinsichtlich der Ziele, Abläufe und auch der Grenzen der Co-Kreation besonders wichtig. Informationen, Entscheidungen und Handlungen müssen nachvollziehbar kommuniziert werden – insbesondere auch persönliche, institutionelle oder disziplinäre Interessen. Die so erreichte Klarheit über Beweggründe und Zielsetzungen ermöglicht es allen Beteiligten Vertrauen aufzubauen.
Interessensoffenlegung bedeutet im partizipativen Kontext die klare und kontinuierliche Kommunikation über die Ziele, Beweggründe und Rahmenbedingungen des CoCreation-Prozesses – einschließlich Informationen über Rollenverteilungen, Entscheidungsgründe und Datenschutz. Dabei sollen insbesondere die hinter Entscheidungen und Designschritten stehenden Interessen – fachlich, methodisch oder persönlich – explizit gemacht werden. Auch der Umgang mit sensiblen Informationen muss offengelegt werden, um Vertrauen und eine konstruktive Zusammenarbeit zu fördern.
Die Partner in einem interdisziplinären und intersektoralen IT-Gestaltungsprojekt bringen häufig unterschiedliche Interessen, Sichtweisen, Wissensstände und Expertisen ein. Diese bleiben häufig implizit und werden aus verschiedenen Gründen nicht kommuniziert – etwa hinsichtlich der Präferenz bestimmter Entwicklungstools oder sozialwissenschaftlicher Methoden. Auf diese Weise können Projektausrichtungen entstehen, die zwar faktisch getragen werden, aber nicht im Sinne aller Beteiligten sind, obwohl sie großen Einfluss auf das Projektergebnis haben.
Persönliche wissenschaftliche Interessen – etwa die bevorzugte Nutzung einer bestimmten Plattform, mit der im eigenen Lab bereits positive Ergebnisse erzielt wurden und die weiter in die Promotion eingebunden werden soll – sind legitime Aspekte der Forschung. Ebenso methodische oder inhaltliche Interessen aus der pflege- oder sozialwissenschaftlichen Perspektive. Solche Aspekte gehören zur Artikulationsarbeit, die idealerweise offen kommuniziert wird. Ihre Offenlegung kann dazu beitragen, gegenseitiges Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Zielsetzungen im Projekt zu schaffen.
Auch gegenüber externen Zielgruppenvertretenden und Teilnehmenden sollte überlegt werden, wie interessenbezogene Offenheit über Arbeitsziele und -schritte hergestellt wird. Anwendungspartner und externe Co-Forschende haben häufig wenig Klarheit über den tatsächlichen Zielstand der geplanten Innovation. Während der Entwicklungshorizont in BMBF-Forschungsprojekten typischerweise 5–7 Jahre beträgt, wird oft angenommen, das Produkt sei am Projektende direkt nutzbar. Da dies selten realistisch ist, muss das Projektteam zusätzliche Motivationsaspekte benennen, damit sich die Beteiligung für externe Zielgruppenvertretende nachvollziehbar und sinnvoll anfühlt (Simone et al. 2022).