CoCre-HIT Kompendium

Praxisbeispiel

Co-Creation interdisziplinär gestalten und Nachhaltigkeit schaffen

  • Katharina Giordano,
  • Juliane Leinweber

6.2.2025
Praxisbeispiel-Grafik

Mit dem Ziel, die Co-Creation Workshops und deren Ergebnisse gewinnbringend in den Technikentwicklungsprozess einzufügen, wurden im Projektverlauf unterschiedliche Durchführungsformate iterativ angewendet. So konnten jeweils die Vorteile virtuell oder physisch durchgeführter Co-Creation-Workshops identifiziert werden. Vor allem zeigte sich, wie bedeutend es ist, Konsortialpartner*innen aus unterschiedlichen Disziplinen und Professionen in die Co-Creation Workshops einzubeziehen. Durch die interdisziplinäre Umsetzung konnten die Ergebnisse – orientiert an den Bedürfnissen und technischen Umsetzungsmöglichkeiten – in den Entwicklungsprozess übertragen werden. Die Sicht der Zielgruppe erhielt durch die interdisziplinäre Gestaltung der Workshops mehr Gewicht und hatte einen größeren Einfluss auf die Gestaltung der Technologie.

Herausforderung

Im BMBF-geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt HiSSS wurde ein hybrides System für die logopädische Versorgung von Sprach- und Sprechstörungen nach Schlaganfall entwickelt. Vertreterinnen der Nutzungsgruppen (Patientinnen und Sprachtherapeut*innen) wurden als Co-Forschende in Form von Co-Creation Workshops in die Entwicklung miteingebunden. Innerhalb des interdisziplinären Projektkonsortiums wurden die Aufgaben kompetenzspezifisch auf die Partner aufgeteilt. Die Beteiligung der Co-Forschenden in Form der Co-Creation Workshops lag bei der HAWK als Forschungspartner. Für die ersten Co-Creation Workshops übernahmen wir somit die Planung, Umsetzung und Auswertung. Die Ergebnisse wurden abschließend in das Gesamtkonsortium getragen. Bei dieser Vorgehensweise schienen jedoch die Co-Creation-Ergebnisse einen geringen Einfluss auf die tatsächliche Weiterentwicklung zu haben. Es kamen Fragen auf, wie: Wie gelangen Ergebnisse der Co-Creation Workshops in den weiteren Entwicklungsprozess? Wie können Co-Creation Workshops nachhaltig gestaltet werden?

Vorgehensweise

Dieser Prozess wurde im Laufe der Projektlaufzeit agil angepasst. Im Gegensatz zur Anfangsphase des Projekts luden wir in folgenden Phasen ebenfalls einzelne Vertreter*innen der Konsortialpartner ein, an den Co-Creation Workshops teilzunehmen, um den kooperativen Austausch mit den Co-Forschenden zu stärken. Die Vorbereitung und Durchführung lag zwar weiterhin beim Projektpartner HAWK, jedoch erlebten die Konsortialpartner nun das Feedback und die Ideen der Teilnehmenden ungefiltert, konnten mit ihrem Fachwissen antworten und in einen kooperativen Dialog treten.

Wir führten die Workshops sowohl digital als auch in Präsenz durch. Diese Kombination aus digitalen und analogen Workshops wurde vor allem aufgrund der Rekrutierung getroffen. An digitalen Workshops konnten deutschlandweit Personen teilnehmen, weshalb auch die Einbindung einzelner technischer Partner leichter umsetzbar war. Die Partner wurden hier entsprechend des jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkts hinzugezogen. An Workshops, die in Präsenz stattfanden, nahmen alle Konsortialpartner teil. Dies hatte zum Vorteil, dass im Rahmen des Workshops auch ein informeller Austausch zwischen den Co-Forschenden und den verschiedenen Konsortialpartnern stattfand und so ein intensiverer Austausch und ein besseres Verständnis vom jeweiligen Gegenüber entstehen konnte.

Ergebnisse und Reflexion

Erfahrungsgemäß liegt die Aufgabe der Konzeption und Durchführung in erster Linie bei den sozialwissenschaftlichen Partnern in Technikentwicklungsprojekten. Dies sollte durchbrochen werden: durch den stärkeren Einbezug auch der technischen Partner wurde so deutlich, dass die verschiedenen Perspektiven wichtig sind, um Workshop-Ergebnisse kooperativ zu gestalten und nachhaltig in die Technikentwicklung einfließen zu lassen. Aufgrund der unterschiedlichen Kompetenzen und Expertisen zeigen die Konsortialpartner jeweils individuelle Perspektiven auf die Situation und die Themen des jeweiligen Workshops. Mit der kompetenzspezifischen Aufgabentrennung gingen in unserem Konsortium auch unterschiedliche Erwartungen an die Zusammenarbeit mit den Co-Forschenden einher. Diese mussten innerhalb des Konsortiums zunächst offengelegt und kommuniziert werden, um anschließend Lösungswege zu finden. Die direkte Teilnahme an Workshops wies einen stärkeren Impuls auf, als die sekundär vermittelten Ergebnisse durch die Forschungspartner. So ergaben sich nach gemeinsam durchgeführten Workshops regelmäßige Arbeitstreffen innerhalb des Konsortiums, aus denen konkrete Arbeitspakete und Entwicklungsideen abgeleitet wurden. Dadurch fand ein direkter Transfer der mit den Co-Forschenden kollaborativ erarbeiteten Inhalte in den weiteren Entwicklungsprozess statt. Dies führt langfristig zu einer nachhaltigen nutzer*innenzentrierten Technologie, die eine bessere wirtschaftliche Verwertung in den Versorgungsmarkt aufweisen kann.

Herausfordernd für die Einbindung der anderen Konsortialpartner sind die vorhandenen, insbesondere zeitlichen, Ressourcen. Aus diesem Grund ist es aus unserer Erfahrung heraus besonders sinnvoll, sich im Vorhinein inhaltlich zu überlegen, welche Konsortialpartner am meisten zu einem Workshop beitragen können. Mit diesen Vorüberlegungen können pro Workshop gezielt entsprechende Konsortialpartner eingebunden werden. Durch diese einzelne Einbindung in Co-Creation Workshops war der zeitliche Aufwand für alle Beteiligten überschaubar und gut einplanbar.

Schlussfolgerung

Die Erfahrungen und getroffenen Anpassungen im Projekt HiSSS zeigen, dass in zukünftigen Projekten von vornherein geplant werden sollte, wie die Erkenntnisse der Nutzenden/Co-Forschenden nachhaltig in die Technikentwicklung integriert werden. Eine Arbeitsteilung entsprechend der Expertisen der Konsortialpartner ist wichtig, sollte jedoch nicht zu voneinander isolierten, sondern zu integrierten Strängen führen. Interdisziplinäre Kooperation und die Erwartungen an das Projekt und der Kooperation sowie an das Projektziel sollten von Beginn an kommuniziert werden. Der Nutzen für die interdisziplinäre Gestaltung partizipativer Elemente sollte allen Beteiligten bewusst sein, um eine Bereitschaft für die aufzubringenden zeitlichen und eventuell auch finanziellen Investitionen aufzubringen.

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